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Zeitgeschichte hautnah erlebt

Exkursion nach Auschwitz

Auch heuer hat das BORG Wr. Neustadt an der Gedenkveranstaltung „March of the living“ von Auschwitz I nach Auschwitz II/Birkenau teilgenommen. Die – durchaus fordernde - Reise fand vom 23. – 26. April 2017 statt, der Zeitpunkt fiel heuer leider mit dem Schulball zusammen, eine Tatsache, die manche SchülerInnen trotzdem gut bewältigten. Alle Teilnehmer (44 SchülerInnen und ihre Lehrer Mag. Pilz, Mag. Wette und Dr. Kracher-Innerhuber) waren tief beeindruckt und bewegt, besonders bemerkenswert war der fast 104jährige Marko Feingold, der als KZ-Überlebender Schülerfragen jederzeit beantwortete. Daniel Krisch, ein Schüler der 7M1 hat über die Erlebnisse einen sehr persönlichen Bericht verfasst:

„Wir, die übernachtigen Schüler/innen der 7NIE, 7M1 und 7S2 standen sonntags um 6:20 Uhr, am Morgen nach dem BORG-Ball, bereit zur Abfahrt am Busparkplatz und warteten auf den Bus. Die Fahrt dauerte ca 8 Stunden, welche wir zum Ausschlafen nutzten - so mancher schlief sogar am Boden. Unser erster Halt war ein verlassener Grenzposten, der nächste Halt war ein KFC und letzten Endes erreichten wir Auschwitz 1. Unser Guide geleitete uns durch das ehemalige Konzentrationslager und berichtete uns über die grausamen Folter- und Hinrichtungsmethoden der SS. In manchen Räumen der Blocks konnte man Gegenstände, Habseligkeiten oder Überreste der Inhaftierten sehen. Die Dimension des organisierten Massenmordes wird dadurch deutlich: So zum Beispiel zwei Tonnen Haare, die  eigentlich der Textilindustrie verkauft hätten werden sollen. Wenn man bedenkt, dass insgesammt 60 Tonnen an Haaren gefunden wurden und man bereits von zwei Tonnen schockiert war, kann man sich vorstellen, wie grausam die Zeit damals war. Wir kamen an einer Vitrine vorbei, in welcher kaputte Brillen lagen. Die ausgestellten Brillen wiegen 20 kg, eine Brille bringt durchschnittlich 40 g auf die Waage, das bedeutet, dass in diesem Schaukasten die Brillen von ca. 50 Menschen liegen.  Das ist jedoch nur eine geringe Menge kaputter Brillen, die für Anschauungszwecke ausgestellt wurde. - Gefunden wurden weit mehr.

Im Innenhof von Block 11, dem Gefängnis- und Folterblock der GeStaPo trafen wir Marko Feingold, einen 103-jährigen Zeitzeugen. Er erzählte uns von seiner Zeit in Auschwitz, seiner Befreiung und seinem Leben nach dem Konzentrationslager.

Am Montag fand der March of the Living/March of Rememberance and Hope (MoRaH) statt, an dem wir von Auschwitz I nach Auschwitz II gingen. In Auschwitz II war eine Bühne aufgebaut, auf welcher Zeitzeugen die Chance hatten, ihre Erfahrungen im Konzentrationslager vor einer sehr großen Menschenmenge zu erzählen. Wir gingen weiter zur „Sauna“, die erste Station jedes Häftling der in Arbeitslager aufgenommen wurde, hier erwartete diesen eine Totalrasur und eine Dusche, auch alle persönlichen Gegenstände wurden ihm dort abgenommen. Im Hof dieses Gebäudes wartete Marko Feingold erneut auf uns, um uns weitere Ereignisse seiner Lebensgeschichte zu erzählen. Hier hatten wir die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen.

Am letzten Tag begaben wir uns am Vormittag in eine Synagoge in Krakau, wo wir gemeinsam zum Gesang des Oberrabbiners tanzten. Danach hatten wir die Möglichkeit, uns in der Stadt frei zu bewegen. Am Nachmittag besichteten wir das ehemalige Judenghetto und erfuhren von den schrecklichen Taten der SS, die diese ganze Siedlung auszulöschten. Jedoch muss man bedenken, dass dies lediglich eines von vielen Ghettos war, das auf unmenschlichste Weise „geleert“ wurde…
Am Abend begaben sich die österreichischen Schüler/innen zur Verabschiedung in ein Hotel, welches Kapazität für die 600 Leute hatte, die wir waren. Hier hatten wir nochmal die Möglichkeit, uns von dem Organisationsteam, sowie von Marko Feingold zu verabschieden. Stellvertretend für unsere Schule hielten Léa Gossington und Daniel Krisch eine kleine Abschiedsrede. Um Mitternacht herum fuhren wir mit dem Bus ab Richtung Wr. Neustadt. Erschöpft und müde kamen wir am Mittwochvormittag an und verabschiedeten uns von unseren Professorinnen und Professoren.

Stellvertretend für alle Teilnehmer traue ich mich zu sagen, dass die ganze Exkursion ein unvergessliches Erlebnis war und sicherlich zum besseren Verständnis dieser grauenhaften Zeit diente.“

Da Angelika Hager, die renommierte Profil-Journalistin an dieser Reise teilgenommen hat, erschien auch ein bemerkenswerter Artikel, der vor allem Marko Feingold gewidmet ist, der im „profil“ Nr. 19. 8. Mai 2017 nachzulesen ist.

Auschwitz – eine Stätte, eine Reise, die kein Teilnehmer vergessen kann und die Botschaft des „Never again“ eindringlich vermittelt.

Monika Kracher-Innerhuber

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